Nicht so überzeugend wie die Chopin Edition; dennoch Empfehlung!
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(TOP 100 REZENSENT)    (VINEŽ-PRODUKTTESTER)    Rezension bezieht sich auf: Schumann-the Masterworks (Ltd.Edit.) (Audio CD) Für die beiden hervorragenden CDs des Hagen-Quartetts mit den Streichquartetten und dem Klavierquintett hatte ich 1996 ungefähr so viel ausgegeben wie diese Box jetzt hier kostet. Vorliegend machen die Aufnahmen zwei von 35 CDs aus und zeigen, dass die Wertverhältnisse im Grunde stimmen. Dennoch erreicht diese Kollektion nicht ganz die Klasse von Chopin-Edition (Ga), wo man sich fast nur konsequent für die allgemein konsentierten Spitzenaufnahmen entschieden hat. Vorliegend ist das Bild etwas gemischter, wobei ich insgesamt doch eine Empfehlung aussprechen kann: Wer die Liederaufnahmen mit Fischer-Dieskau noch nicht sein Eigen nennt oder wem das Chorwerkb bzw. das dramatische Werk (ohne Genoveva) bzw. die Soloalben mit Pollini fehlen, wird hier keinen Fehler machen:

CD 1 bis 3: Die ersten drei CD beinhalten die Sinfonien mit Gardiner. Ich liebe Schumanns Musik seit jeher und bin ein großer Gardiner-Fan; dennoch hat mich das Zusammentreffen der beiden nicht restlos überzeugt. Die Bernstein-Aufnahmen hätte ich daher hier lieber gesehen. Ein persönlicher Tipp wäre allerdings Robert Schumann: Sinfonien Nr.1 & 2 und Sinfonien 3 & 4. Allerdings kann an der Originalität der Interpretation und dem aufrichtigen Engagement Gardiners und seines Orchesters kein Zweifel bestehen. Die Genoveva-Ouvertüre gibt Kubelik (die Oper selbst ist hier nicht enthalten!) und die Ouvertüre Julius Caesar Solti.

CD 4 bis 5: Auch beim Klavierkonzert hätte ich die Aufnahme Klavierkonzert a-Moll/Op.16 der hier gewählten (Ashkenazy/Segal) vorgezogen; eine Alternative wäre auch Pollini ewesen. Beim Violinkonzert aber überzeugt die Einspielung mit Henryk Szeryng; die Fantasie in A-Moll gibt Mutter; im Hinblick auf das Cello-Konzert hat man wiederum eine eher unbekannte Aufnahme gewählt (Harrell/Marriner) und keine der bekannteren aus dem Katalog der DG.

CD 6 bis 10: Die Chorwerke Requiem für Mignon und Das Paradis und die Peri werden hier mit Gardiner und dem Monteverdi Choir aufgelegt. Es handelt sich um sehr engagierte Aufnahmen, die sich in den Dienst dieser fast vergessenen Werke stellen. Die Szenen aus Goethes Faust liegt in einer bemerkenswerten Aufnahme unter Benjamin Britten vor, mit Fischer-Dieskau und Peter Pears. Sie ist wegen dieser Besetzung ein singuläres Ereignis und bereitet dem Hörer großes Vergnügen. Dies gilt erst recht für Manfred mit Gert Albrecht, dem Rias Kammerchor und der Radio Symphonie Berlin (Klaus-Jürgen Wussow hat die Sprecherrolle). Die Aufnahme wurde - weil zwischenzeitlich vergriffen - schon für Fantasiepreise um 70 Euro gehandelt. Wer Byron mag und einige wenige Trivialitäten ertragen kann, wird hier auf Bemerkenswertes treffen. Auch dieser Teil rechtfertigt die Anschaffung der Edition.

Die CD 11 bis 19 beinhalten das bekannte Liedschaffen Schumanns. Grundlage ist die Einspielung Fischer-Dieskaus mit Eschenbach; unterstützt werden beide durch Julia Varady, Peter Schreier und Edith Matthis. Hier handelt es sich größtenteils um einsame Spitzenaufnahmen. Die Dichterliebe mit Fischer-Dieskau etwa gilt nach wie vor als eine der besten im Katalog. Wer diese Aufnahmen noch nicht hat, verpasst beim Kauf dieser CD natürlich die Liedtexte, bekommt aber jede Menge anderer Zugaben.

CD 20 bis 21 beinhalten die bereits erwähnten Einspielungen des Hagen-Quartetts: die drei Streichquartette und das Klavierquintett. M.E. rangieren die Streichquartette im obersten Spitzensegment; dies gilt auch für das Klavierquintett, obwohl hier die Konkurrenz größer ist.

CD 22 bis 26: Das Klavierquartett und die drei Klaviertrios übernimmt das Beaux Arts-Trio in einer wunderschönen Aufnahme. Die Violinsonaten mit Kremer und Argerich zählten lange Zeit zu den besten Einspielungen. Nun dürfte die Führung an Violinsonate 1,2,3 gegangen sein. Die Paganini-Capricen werden hier mit Garrett/Canino eingespielt; die Werke für Oboe und Klavier mit Heinz Holliger/Alfred Brendel (sehr überzeugend) und die Werke für Klavier und Horn bzw. 2 Klaviere, 2 Celli und Horn mit Ashkenazy und Solisten

CD 27 bis 35 bringen die Klavierwerke (keine Gesamteinspielung).

Die Abegg-Variationen, die Intermezzi, Kinderszenen und Waldszenen spielt hier Ashkenazy (schön, aber hier ist die Konkurrenz großI).

Die Toccata mit Pogorelich ist absolut hörenswert.

Zum Glück vereint die Sammlung die Pollini-Solo-Aufnahmen: Symphonische Etuden, Arabeske, Davidsbündler, Concert sans Orchestre (Sonate Nr. 3 in Frühfassung eher selten eingespielt, mit dennoch viel Schönheiten); das Allegro op. 8, die Kreisleriana, die Gesänge der Frühe, die erste Sonate und die C-Dur-Fantasie. Pollini mag nicht jedermanns Sache sein, aber hier handelt es sich um Spitzenaufnahmen, die eine ganz eigene und daher wertvolle Sicht auf Schumann vereinen.

Ashkenazy trägt schließlich noch die Fantasiestücke bei, das Blumenstück, die zweite Klaviersonate und den Faschingsschwank aus Wien sowie die Bunten Blätter. Das Album für die Jugend gibt abschließend Homero Francesh in Auszügen. Ich bin mir selbst etwas unschlüssig, aber ich kann heute die große Ashkenazy-Begeisterung der 70er und 80er Jahren nur noch teilweise nachvollziehen. Dies zeigte mir letztens der Vergleich mit den Aufnahmen von Arrau (Arrau spielt Schumann: Vol.8), die leider vergriffen sind und zu Mondscheinpreisen gehandelt werden: Hier vereinen sich Verständnis für die deutsche Romantik, Rhythmusgefühl und überlegene Pianistik einfach deutlich eindrucksvoller.

So hat die vorliegende Sammlung klare Höhepunkte, aber keine ebensolchen Schwächen, sondern eher Stellen, wo man sich anderes gewünscht hätte. Zu diesem Preis aber erscheint mir das Gesamtpaket aber 5 Sterne wert.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. Mai 2010
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1. 8.Juni 1810
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